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Eines der großen nationalsozialistischen Konzentrationslager
Das KZ Neuengamme in Hamburg |
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Wie kann es sein, dass Menschen zu Monstern werden und solche grausamen Dinge tun?
Diese Frage beschäftigte eine Gruppe junger Menschen im Rahmen einer 4-stündigen Führung auf dem Weg durch die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Neuengamme.
Die Gruppe war zusammengesetzt aus englischen und deutschen Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren, die während der Internationalen Begegnung des BDP Hamburg mit der englischen Partnergruppe vom Youth and Community Centre Ormskirk einen Tagesausflug zur nahe gelegenen Gedenkstätte unternahm.
Über das 40.000 qm große Gelände führte uns der Englisch sprechende Referent Achim Rohde an vielen Stationen vorbei und involvierte die Gruppe durch Fragestellungen und bildliche Darstellungen; für die jüngeren deutschen TeilnehmerInnen |
wurden die Ausführungen in Kleingruppen übersetzt, was eine intensivere Betreuung gewährleistete, denn diese Kinder reagierten sehr emotional und sensibel.
Alle Kinder und Jugendliche wurden schon in der Schule mit dem Thema Zweiter Weltkrieg konfrontiert, doch die große Altersspanne und das unterschiedliche Herangehen, bedingt durch die Herkunft, warf viele Fragen auf, welche die Einen langweilte und die Anderen überforderte.
Doch einen gemeinsamen Nenner gab es: Nur die Wenigsten haben schon mal selbst ein ehemaliges KZ gesehen oder betreten.
Somit begannen wir den Tag mit ganz verschiedenen Stimmungen und Erwartungen, um teilweise erstmals die Geschichte des Dritten Reiches an einem Ort zu erleben, zu fühlen und zu erfahren, an dem diese Geschichte Wirklichkeit war. |
| Der Anfang
In dem Hamburger Ortsteil Neuengamme errichtete die Schutzstaffel (SS) im Dezember 1938 in einer stillgelegten Ziegelei ein Außenlager des Konzentrationslagers (KZ) Sachsenhausen.
Zunächst nahm das SS-Unternehmen "Deutsche Erd- und Steinwerke GmbH" (DESt) das alte Klinkerwerk mit nur 100 Häftlingen wieder in Betrieb.

Durch finanzielle Unterstützung der Stadt Hamburg, die eine Neugestaltung des Hamburger Elbufers mit "Führerbauten" plante, wurde Neuengamme im Frühsommer 1940 ausgebaut, erhielt eine neue Großziegelei und wurde zu einem eigenständigen Konzentrationslager erklärt.
Die Zeit im Konzentrationslager - In den ersten Jahren wurden fast ausschließlich deutsche Häftlinge aus anderen Konzentrationslagern nach Neuengamme überstellt. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs kamen Menschen aus allen von Deutschland besetzten Ländern in das Lager, von denen die sowjetischen und die polnischen Häftlinge die größte Gruppe bildeten. Ab 1944 inhaftierte die SS vor allem Gefangene aus den besetzten west- und nordeuropäischen Ländern in Neuengamme, die Widerstand gegen die deutsche Besatzung geleistet hatten.
Die Häftlinge des KZ Neuengamme mussten zunächst bei der Errichtung des Lagers und der neuen Ziegelei, beim Tonabbau in nahe gelegenen Tongruben, bei der Klinkerproduktion, bei der Begradigung eines Seitenarms der Elbe sowie bei der Anlage eines Stichkanals mit Hafenbecken Zwangsarbeit leisten.
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1942 richteten der SS-Betrieb "Deutsche Ausrüstungswerke" (DAW) und eine Reihe anderer Rüstungskonzerne wie die Waffenfabrik Metallwerke Neuengamme auf dem Lagergelände Produktionsstätten für Waffen und andere militärische Produkte ein. Dort und in den über 80 Außenlagern des KZ Neuengamme in ganz Norddeutschland arbeiteten die KZ-Gefangenen nun hauptsächlich für die Rüstungsproduktion.
Die ab 1942 von den Nationalsozialisten durchgeführten Maßnahmen für ein "judenfreies" Reich wurden 1944 aufgegeben. Infolge von wirtschaftlichen Schwierigkeiten, besonders des Mangels an Arbeitskräften, wurden nun verstärkt jüdische Zwangsarbeiter in der deutschen Industrie eingesetzt. So kamen ab April 1944 Tausende von Juden, in der Mehrzahl Frauen, mit Transporten aus den östlichen Lagern nach Neuengamme und in seine Außenlager. Die Zahl der jüdischen Häftlinge im KZ Neuengamme betrug insgesamt etwa 13.000.
Ab 1942 führten SS-Ärzte unter anderem mit Medikamenten zur Flecktyphusbekämpfung, mit künstlichen Tuberkuloseinfektionen sowie mit giftgasverseuchtem Wasser medizinische Experimente an den Häftlingen durch. Im April desselben Jahres suchte eine Ärztekommission im Rahmen der "Aktion 14 f 13 zur Vernichtung lebensunwerten Lebens" geschwächte Häftlinge sowie Behinderte und Juden aus, die einige Wochen später in der "Landes-Heil- und Pflegeanstalt" Bernburg an der Saale umgebracht wurden. Gegen Ende des Jahres 1942 ermordete die SS 448 sowjetische Kriegsgefangene im Lagergefängnis mit dem Giftgas Zyklon B, das nach diesen ersten Versuchen in Neuengamme in Auschwitz zur Massenvernichtung eingesetzt wurde. Des Weiteren wurden mindestens tausend entkräftete Häftlinge insbesondere 1942/43 im Krankenrevier des Hauptlagers Neuengamme durch Giftspritzen getötet.
Das NS-Regime stufte Menschen mit Behinderungen oder (unheilbaren) Krankheiten als nicht lebenswerte Geschöpfe ein und rechtfertigte den Mord an diesen Menschen mit dem wissenschaftlichen Begriff "Euthanasie".
Das Thema wird weiter unten noch mal ausführlicher behandelt. |
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| Das Kriegsende
Als sich britische und amerikanische Truppen Anfang April 1945 dem Hauptlager Neuengamme und seinen Außenlagern näherten, wurde auf Befehl des Reichsführers-SS und "Chefs der Deutschen Polizei", Heinrich Himmler, mit der Räumung der Lager begonnen. Auf den folgenden "Todesmärschen" kamen Tausende der KZ-Insassen ums Leben. Die letzten etwa 10.000 im Stammlager verbliebenen Häftlinge wurden Mitte April 1945 in Richtung Lübeck transportiert und auf drei Schiffe verladen, die in der Lübecker Bucht ankerten. Am 3. Mai 1945 wurden die Schiffe von britischen Kampfflugzeugen bombardiert, die sie für Truppentransporter hielten. Die "Cap Arcona" und die "Thielbek" brannten aus und gingen unter. 7.000 Häftlinge kamen dabei ums Leben.
Als die alliierten Truppen das Lager Neuengamme betraten, war es komplett "besenrein" verlassen. Aus diesem Grund existieren vom KZ Neuengamme keine Videoaufzeichnungen oder Fotografien der Alliierten von Leichenbergen, die man sonst von anderen großen Konzentrationslagern kennt.
Zwischen 1938 und 1945 wurden etwa 106.000 Menschen aus fast allen europäischen Ländern in das Hauptlager Neuengamme und seine Nebenlager eingewiesen, darunter ca. 13.500 Frauen. Von den dort Inhaftierten starben ca. 55.000 aufgrund der unmenschlichen Arbeits- und Lebensbedingungen. Dies entsprach dem Lagermotto "Vernichtung durch Arbeit".
Nach dem Krieg - Nach Kriegsende wurden die Gebäude des ehemaligen KZ Neuengamme als Internierungslager für SS-Angehörige, Funktionsträger der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) und der Wehrmacht genutzt.
1948 richtete die Freie und Hansestadt Hamburg eine Justizvollzugsanstalt in einem Teil |
des ehemaligen Lagergeländes ein. Im selben Jahr wurde auf dem ehemaligen KZ-Gelände die "Vollzugsanstalt Vierlande" erbaut. Hamburgs damaliger Bürgermeister Max Brauer sagte in der Eröffnungsrede folgendes: "Um die Erinnerung an diese Vergangenheit durch eine "vorbildliche Gefangenenanstalt" vergessen zu machen".
Gedenken - Wegen der vollständig verlassenen Gebäude, die man nach Kriegsende vorfand, maß man dem KZ Neuengamme zunächst nicht den Stellenwert eines großen Konzentrationslagers bei, warum das Gelände auch erst relativ spät zur einer Gedenkstätte wurde. Auf Druck insbesondere der französischen KZ-Überlebenden erfolgte 1953 die Aufstellung einer ersten Gedenksäule auf dem Gelände der ehemaligen Lagergärtnerei, in der die SS die Asche der im Krematorium verbrannten Leichen als Dünger verstreuen ließ. Am gleichen Ort wurde 1965 ein Mahnmal, bestehend aus einer Stele, einer Gedenkmauer mit Nationalitätentafeln und der Skulptur "Der sterbende Häftling" der Öffentlichkeit übergeben.
Der sterbende Häftling - Die Gedenkstätte wurde 1981 durch ein Dokumentenhaus ergänzt.
Im Februar 1984 stellte die Freie und Hansestadt Hamburg die baulichen Überreste des KZ Neuengamme unter Denkmalschutz. In den folgenden Jahren wurde ein von KZ-Gefangenen erbautes "Plattenhaus" rekonstruiert und das große KZ-Klinkerwerk durch umfassende Restaurierungsarbeiten vor dem weiteren Verfall bewahrt. Auf dem Gelände des ehemaligen Lagerbahnhofs wurde 1994 die Gleistrasse rekonstruiert und ein historischer Güterwaggon aufgestellt.
Die Ausstellung der Gedenkstätte wurde neu überarbeitet [unter anderem durch BDPlerinnen aus Hamburg] und wird am 4. Mai 2005 in einem anderen Lagergebäude wieder eröffnet.
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| Die letzte Station der Jugendgruppe des Hamburger BDP und seiner englischen Gäste war die zur Gedenkstätte gehörigen Ausstellung [im März 2005 noch die "Alte"].
Dort konnte jede und jeder selbst einen eigenen Weg durch die persönlichen Gegenstände, Zeichnungen und Berichte der damaligen Häftlingen finden, um die Eindrücke der Gelände-Führung individuell zu ergänzen.
Im Anschluss daran fand eine Aussprache statt, in der die Jugendlichen ihre Gefühle und Eindrücke zum Ausdruck bringen konnten und noch offene Fragen diskutiert wurden.
Wie können Menschen zu Monstern werden, die solche grausamen Dinge tun?
Und wie kann es heutzutage, 60 Jahre nach der Befreiung vom Nationalsozialismus, immer noch oder wieder Nazis geben, die sich ja anscheinend mit der Ideologie von damals identifizieren?! Neo-Nazis halten eher Abstand von Gedenkstätten wie Neuengamme, berichtet Achim, Mitarbeiter der Gedenkstätte.
Mit irgendwelchen rechten Schmierereien hätten sie so gut wie nie Probleme. Manche glauben einfach nicht daran, was damals
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Schreckliches passiert ist, sie leugnen immer noch die Existenz der systematischen Inhaftierung und Ermordung Gefangener durch das NS-Regime.
In allen Menschen steckt das Potential, ein Monster zu werden, doch wer sich mit der Vergangenheit auseinandersetzt und die schreckliche Realität der Geschichte des Dritten Reiches zum Beispiel an einem Ort wie Neuengamme hautnah kennen lernt, der hat die Chance, nie ein Monster zu werden.
Wir sind gegen das Vergessen.... |
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Zum Thema "Euthanasie"

Ende der 30er Jahre gab das Rassenpolitische Amt der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) ein Werbeplakat heraus, das einen sitzenden, offenbar bewegungsunfähigen verkrüppelten Mann und einen hinter ihm stehenden Pfleger zeigt. Die bildliche Aussage wird durch den Satz "60.000 RM kostet dieser Erbkranke die Volksgemeinschaft auf Lebenszeit" und den Hinweis "Volksgenosse das ist auch Dein Geld" verdeutlicht: Behinderte und unheilbar Kranke wurden aus der stets propagierten Volksgemeinschaft - ähnlich den Juden, Sinti und Roma und anderen Gruppen - ausgegrenzt. Ihr Tod bedeutete eine Einsparung für jeden gesunden "Volksgenossen". Mit den anthropologischen, genetischen und eugenischen Forschungen der "Rassenhygieniker" wurde ab Herbst 1939 der als "Euthanasie" bezeichnete Mord an den Menschen gerechtfertigt, deren Leben nach NS-Ideologie "nicht lebenswert" war. Aus der ursprünglichen Bedeutung des Wortes "Euthanasie" vom "guten" oder "schönen Tod" wurde im NS-Regime die Pflicht des Staates abgeleitet, sich der von den Nationalsozialisten als "Defektmenschen" und "Ballastexistenzen" titulierten Behinderten zu entledigen.
Der Ermordung unheilbar Kranker und Behinderter hatte Adolf Hitler im Oktober 1939 mit einem auf den 1. September zurückdatierten und auf seinem Privatbogen verfassten Schreiben die Ermächtigung gegeben: "unheilbar Kranken ... [sollte] der Gnadentod gewährt werden". Die Rückdatierung des Erlasses verdeutlichte, dass mit Beginn des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 auch der innere Krieg gegen Menschen begonnen hatte, die dem Rassenideal der Nationalsozialisten nicht entsprachen und somit als "schädlich" und "wertlos" galten. Adressiert war das Schreiben an Philipp Bouhler (1899-1945), Leiter der "Kanzlei des Führers", und Hitlers Leibarzt Karl Brandt (1904-1948). Unter der Tarnbezeichnung "Aktion T 4" - benannt nach dem Sitz der Organisationszentrale in der Berliner Tiergartenstraße 4 - setzten sie mit Unterstützung von Ärzten, Pflegekräften und Verwaltungsbeamten in verschiedenen Tötungsanstalten in Deutschland den Massenmord an geistig Behinderten und anderen "unerwünschten Elementen" um.
Für die "Aktion T 4" wurden verschiedene Tarngesellschaften gegründet, über die das "Euthanasie"-Programm abgewickelt wurde: In der "Reichsarbeitsgemeinschaft Heil- und Pflegeanstalten" entwarf ein Ärzteteam Meldebögen und ärztliche Gutachten über Behinderungen. Die "Gemeinnützige Krankentransportgesellschaft" organisierte die Verlegungstransporte - zumeist in grauen Bussen. Der "Allgemeinen Stiftung für Anstaltswesen" oblag das Personalwesen. Ende 1939 begann die Versendung der Meldebögen zur "planwirtschaftlichen Erfassung" der Anstaltspatienten. Es wurde nach Art der Krankheit, Dauer des Anstaltsaufenthalts und Arbeitsfähigkeit gefragt. Nur anhand der ausgefüllten Formulare entschieden dann je drei der etwa 30 Gutachter (Ärzte, Hochschullehrer und Anstaltsleiter) unabhängig voneinander über Leben und Tod der Patienten. Bei abweichenden Beurteilungen sprach ein Obergutachter das endgültige Urteil. "Todeskandidaten" wurden in die "Euthanasie"-Anstalten Grafeneck, Brandenburg, Hartheim, Pirna, Bernburg und Hadamar gebracht. Dort wurden bis August 1941 insgesamt rund 70.000 Menschen - zumeist durch Vergasungen oder Injektionen - ermordet. Bei den ersten Vergasungen der "Aktion T 4" in Brandenburg 1940 wurden die Opfer in als Duschräume getarnte Gaskammern geführt.
Die Leichen wurden sofort eingeäschert, um Untersuchungen durch Angehörige zu unterbinden. Diese erhielten Schreiben mit fingierten Todesursachen und Sterbeorten. Dennoch weckten eindeutig falsche Angaben zur Todesursache und die Häufung der Todesfälle in den einzelnen Anstalten Misstrauen, so dass die "Aktion T 4" nicht lange geheim gehalten werden konnte. Am 3. August 1941 prangerte der Bischof von Münster, Clemens August Graf von Galen, die Tötungsaktionen in einer Aufsehen erregenden Predigt öffentlich an. Mit Rücksicht auf die Stimmung in der aufgebrachten Bevölkerung, ließ Hitler das "Euthanasie"-Programm daraufhin offiziell einstellen.
Über 30.000 Behinderte starben jedoch anschließend noch in geheim weitergeführten Tötungsaktionen. In vielen öffentlichen Heil- und Pflegeanstalten wurden Patienten durch Injektionen oder durch eine Überdosis Beruhigungsmittel umgebracht. Auch schwer tuberkulosekranke und arbeitsunfähige Zwangsarbeiter zählten zu den Opfern dieser so genannten wilden Euthanasie. Zudem gab es zahlreiche Sonderaktionen wie die "Aktion 14f13". Dabei wurden psychisch Kranke und andere Häftlinge in Konzentrationslagern ausgesondert und mit Giftgas ermordet. Der Name leitete sich aus dem Aktenzeichen der Tötungsaktion her: 14 stand für Todesfälle im KZ und 13 für die Todesart: Vergasung. |
Und noch eine kleine Geschichte am Rande,
die vielleicht die Ottensen-Liebhaber interessiert |
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