Da war doch was?
Wieso soll ich nicht ins Mercado gehen, Mama?
Ich war 8 oder 9 Jahre alt, als ich vor dem Bahnhof Altona in Hamburg mit meinen Freundinnen durch eine Gruppe Menschen lief und wir uns total wichtig vorkamen. Wir wussten, dass so etwas Demo genannt wird, denn unsere Eltern hatten uns schon früh damit bekannt gemacht. Dieses besondere Gefühl, sich zu wiedersetzen oder nicht einfach Ja zu sagen, begriffen wir noch nicht wirklich, aber uns fiel auf, dass alle nett zu einander waren und etwas Spannendes in der Luft lag. Wir versuchten erst erfolglos die Rufe der Leute zu verstehen und lasen uns dann gegenseitig die buntesten, größten und originellsten Plakate vor nachdem sich unsere erste Aufregung gelegt hatte: "Konsum vernichtet!" oder "Gegen das Vergessen" und schauten der Sambaband beim Trommeln zu bis es langweilig wurde.
Ganz und gar nicht langweilig war es, sich in die vordersten Reihen zu drängeln und in die grimmigen Gesichter der Bullen - wie wir sie liebevoll nannten - zu schauen und kicherten dabei, natürlich ohne entdeckt zu werden, denn auch die ausgehende Gefahr dieser grünen Männchen wurde uns schon früher nahegelegt.
Nach ein paar Stunden war dann alles vorbei, wir verabredeten uns für den nächsten Nachmittag zum Spielen und gingen mit unseren Eltern heim.
Was hängen blieb war, nicht ins Mercado gehen. Aber warum eigentlich, Mama?
Untergeschoss Mercado-Einkaufscenter, Ottenser Hauptstraße

Die 1996 angebrachte Gedenktafel informiert über die Geschichte des jüdischen Friedhofs Ottensen und nennt Namen von insgesamt 4.500 dort bestatteten Toten. Freigelassene Tafeln lassen Raum für Namen, die durch zukünftige Forschung ermittelt werden könnten.
Das Wandbild von Hildegund Schuster am Haus in der Kleinen Rainstraße 21 wurde im September 1997 angefertigt. Es zeigt Motive des jüdischen Friedhofs vor der Zerstörung 1939 sowie Proteste gegen den Bau des so genannten "Konsumtempels" in den späten 1980er Jahren.
Der 1663 errichtete, traditionsreiche Friedhof wurde während des NS-Regimes 1934 geschlossen. Als die Nazis 1939 das Gelände des Friedhofs beschlagnahmten, konnten noch 175 Grabstellen umgebettet werden. Die übrigen Gräber wurden beim Bau von zwei Luftschutzbunkern verwüstet und vernichtet.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges verkaufte die durch den Holocaust ruinierte Jüdische Gemeinde das an sie zurückgegebene Friedhofsgelände an den Kaufhauskonzern Hertie, da der Friedhof nicht wiederherstellbar war.
1988 kam es nach dem Abriss des in den 1950er Jahren errichteten Kaufhauses zu heftigen Auseinandersetzungen um den Bau des neugeplanten Einkaufszentrums "Mercado". Neben anderen protestierte die jüdische Organisation Atra Kadisha. Nach einem Schiedsspruch des Jerusalemer Oberrabbiners Itzchak Kolitz begann der Bau unter der Maßgabe, dass keine Tiefbauarbeiten durchgeführt und noch vorhandene Grabstellen nicht beschädigt würden. Die Gedenktafel wurde vom Eigentümer des Einkaufszentrums "Mercado" finanziert. |